Predigt: „Da wohnt ein Sehnen tief in uns …“

von Pfarrer Christoph Scieszka

Foto: Pixabay

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Man könnte denken, die Palmprozession und die Passion stehen im Mittelpunkt. Doch als ich vor einigen Jahren im Rahmen eines Besinnungstages die Geschichte vom Einzug Jesu in Jerusalem sehr genau las, wurde mir klar: Eine Eselin spielt – im Wortsinn – die tragende Rolle! Warum? Sie trägt den Herrn. Auf ihr reitet Jesus in Jerusalem ein. Wohlgemerkt auf einer kleinen Eselin, einem einfachen Lasttier – nicht auf einem Reitpferd.

Dieses Bild zeigt Wirkung: Auf einem Esel zieht man nicht in den Krieg. Mit einem Esel gewinnt man keine Schlachten. Ein Esel ist nicht spektakulär. Wer spektakulär sein will, muss sich aufs hohe Ross setzen … Aber solch ein Esel ist wichtig für viele. Denn auf einem Esel transportiert man Lasten, auf einem Esel bringt man die Ernte nach Hause, auf einem Esel schleppt man Wasser aufs Feld. Ein Esel ist alltäglich – und genau so dient er dem Leben.

Nun stehen wir wieder am Anfang der Karwoche. Die Karwoche ist die Woche, in der sich die Situation zuspitzt, in der das Leiden und Sterben Jesu unerbittlich näher rückt, in der die Ungerechtigkeit dieser Welt scheinbar die Oberhand behält. Dabei fängt die Woche recht zuversichtlich an: Bei seinem Einzug in Jerusalem wird Jesus mit Jubel begrüßt. Ihm gilt ein Jubel, mit dem sonst nur große Hoffnungsträger bedacht werden. Doch dann kommt es innerhalb weniger Tage zum Stimmungsumschwung. In der unruhigen Zeit, in der wir leben, spüren auch wir den Stimmungsschwung, die Angst!

Mit dem Palmsonntag stehen wir an der Schwelle zur Karwoche. Das Leben gewinnt an Erfahrung und Tiefe, wenn wir die schwierigen Facetten des Lebens nicht ausblenden. Diese Tage lehren uns, dass die „starken Typen“ nicht unbedingt immer die Siegertypen sein müssen. Jesus will nicht sterben – und ist letztlich doch bereit dazu. In der Karwoche treffen wir nicht den Siegertypen, sondern den Schmerzensmann. Doch dieser Mensch ist gerade in seiner Schwäche ein „starker Typ“. Ist das nicht hochaktuell in unserer Zeit?

Viele von uns stellen sich die Frage: Wo finde ich Kraft, Halt und Hoffnung in diesen Tagen? Ich habe in den letzten Wochen sehr oft das Lied „Da wohnt ein Sehnen tief in uns …“ gehört und lade Sie dazu ein, das auch zu tun (zum Beispiel mit dem Video unten). Ich wünsche uns, dass wir immer einen Grund zur Hoffnung finden!

 

„Da wohnt ein Sehnen tief in uns …“

Musik: Anne Quigley, Text: Eugen Eckert

Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein.
Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.

Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir.
In Sorge, in Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir.
In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott.

Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir.
In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott.

Dass du, Gott, des Sehnen, den Durst stillst, bitten wir.
Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott.

 

<< zurück zu Ansverus-News 2026-7