Predigt zum 26. Sonntag im Jahreskreis

von Pfarrer Christoph Scieszka

Evangelium      Mt 21, 28–32

In jener Zeit sprach Jesus zu den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes: 28Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! 29Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. 30Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. 31Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 32Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Predigt

Jesus befindet sich in einer Auseinandersetzung mit führenden Vertretern des jüdischen Volkes, die Hohepriester und die Ältesten und erzählt ihnen dieses Gleichnis.

Wie können wir es in heutiger Zeit verstehen?

Jesus redet hier von zwei unterschiedlichen Menschentypen: Die einen sind die „Ja-Sager“, die immer schnell zustimmen, aber dann doch nicht einhalten, was sie versprochen haben. Auf der anderen Seite stehen die, die im ersten Moment spontan „Nein“ sagen, vielleicht weil sie keine Lust haben oder die Mühe scheuen, die es sich dann aber überlegen und ihre Aufgabe erfüllen.

Diese zwei Verhaltensweisen erleben wir auch sonst in unserem Leben, in den zwischenmenschlichen Beziehungen.

Manche Menschen sagen bei jedem Termin oder jeder Aufgabenverteilung: „Ja, da bin ich dabei, ich mache mit.“ Und wenn es dann so weit ist, kommen sie mit irgendwelchen Ausreden, um ihre Abwesenheit zu entschuldigen. Andere sagen im ersten Moment „Nein“, aber dann machen sie doch alles möglich, um dabei zu sein.

In der heutigen Perikope geht es aber nicht um das menschliche Miteinander, sondern um unser Verhalten Gott gegenüber. Wir können uns fragen: Gehöre ich zu denen, die schnell „Ja“ sagen, oder zu denen, die zunächst „Nein“ sagen?

Jesus hat hier bei den „Ja-Sagern“ die führenden Vertreter seines jüdischen Volkes vor Augen, also die scheinbar guten Menschen. Das waren keine schlechten Menschen, sondern ganz im Gegenteil: Sie beschäftigten sich mit Gottes Wort und nahmen es sehr ernst. Sie lebten nach genauen Regeln, um ja alles zu tun, was die Bibel sagt und sie kümmerten sich um die Belange der Menschen und des Volkes.

Und doch sagt Jesus zu Ihnen: Ihr sagt Ja zu Gottes Wort, aber tut seinen Willen nicht. Das klingt wie ein hartes Urteil über Menschen, die sich viel Mühe geben.

Ich frage mich: Sagt Jesus das auch zu uns, wenn er uns sieht, unsere Arbeit und Leistung in der Kirche, unsere Versuche, nach seinem Wort zu leben, unsere Spenden und das, was wir für andere tun?

Man möchte Jesus fragen: Was sollen wir denn noch machen? Sicher gibt es Menschen, die vollkommener sind, aber hast du nicht gesagt, dass du uns vergibst?

Wäre seine Antwort vielleicht so: Es kann sein, dass ihr viel leistet, dass ihr die Gebote haltet, gute Werke tut und auch für andere da seid. Aber was euch fehlt bei allem, ist die herzliche Liebe, die Freude und Dankbarkeit.

Jesus fragt die Menschen: Wenn ihr Gottes Wort hört, tut ihr es, weil es eine Pflicht ist, oder hört ihr es gerne, weil ihr euren himmlischen Vater liebt? Wenn ihr betet, einen Gottesdienst besucht oder euch in der Kirche engagiert, tut ihr es, weil man ja was tun muss, oder weil ihr aus Liebe und mit Freude das Reich Gottes in dieser Welt bauen wollt? Wenn ihr Geld spendet, tut ihr es, weil man es als Christ tut, oder weil euer Herz voll Liebe ist und ihr gerne teilt, weil Gott euch so reich beschenkt hat?

Jesus will deutlich machen: Es geht nicht darum, was ihr an Leistung vorzeigen könnt, sondern darum was ihr in eurem Herzen habt: Tut ihr es nur als Pflicht oder aus Liebe und Dankbarkeit gegenüber Gott?

Das ist die eigentliche Frage. Und die Antwort lautet: Niemand kann und niemand muss sich Gottes Liebe verdienen. Gottes Liebe ist jedem Menschen bedingungslos geschenkt. Wer das erfahren hat, wird aus dieser Erfahrung heraus handeln. Er wird aus dieser Erfahrung heraus Gutes tun und sich einsetzen für seine Mitmenschen – aus Dankbarkeit und aus Liebe zu Gott.

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