Predigt zum 3. Advent

von Pfarrer Christoph Scieszka

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Evangelium: Joh 1,6–8.19–28

6 Ein Mensch trat auf, von Gott gesandt; sein Name war Johannes.

7 Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen.

8 Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.

19 Und dies ist das Zeugnis des Johannes, als die Juden von Jerusalem aus Priester und Leviten zu ihm sandten mit der Frage: Wer bist du?

20 Er bekannte und leugnete nicht; er bekannte: Ich bin nicht der Christus.

21 Sie fragten ihn: Was dann? Bist du Elíja? Und er sagte: Ich bin es nicht. Bist du der Prophet? Er antwortete: Nein.

22 Da sagten sie zu ihm: Wer bist du? Wir müssen denen, die uns gesandt haben, Antwort geben. Was sagst du über dich selbst?

23 Er sagte: Ich bin die Stimme eines Rufers in der Wüste: Ebnet den Weg für den Herrn!, wie der Prophet Jesája gesagt hat.

24 Die Abgesandten gehörten zu den Pharisäern.

25 Sie fragten Johannes und sagten zu ihm: Warum taufst du dann, wenn du nicht der Christus bist, nicht Elíja und nicht der Prophet?

26 Johannes antwortete ihnen: Ich taufe mit Wasser. Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt,

27 der nach mir kommt; ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.

28 Dies geschah in Betánien, jenseits des Jordan, wo Johannes taufte.

 

Predigt

Liebe Schwestern und Brüder,

wenn ich bei einem Trauergespräch die Angehörigen treffe, stelle ich oft die Frage: Wer war der oder die Verstorbene wirklich? Was das Markante, was hat die Person ausgemacht? Wer war er/sie für Sie?

In der Regel atmen die Menschen dann schwer durch und versuchen die Frage zu beantworten – und man merkt: Das ist weit mehr als ein paar Zahlen aus der Biographie zu nennen. Hinter der Formulierung steckt die Frage nach der Bedeutung eines Menschen und seiner Lebensbotschaft an uns noch Lebende.

Wer bist du?

Das wollen die Leute von Johannes dem Täufer schon zu Lebzeiten wissen. Sie möchten erfahren, was hinter diesem Menschen, der außergewöhnlich ist, in der Wüste lebt, sich von Heuschrecken ernährt, wirklich steckt.

Die Leute merken: Dieser Mann hat eine besondere Aura, eine besondere Anziehungskraft. Ist vielleicht er der Messias? Oder wenigstens sein Vorläufer? Ist er der Prophet Elija oder ein anderer Prophet? Doch jedes Mal ein entschiedenes: Ich bin es nicht!

Ich bewundere seinen Mut den Mut, Nein zu sagen. Er enttäuscht seine Bewunderer und lässt sie nicht im falschen Glauben, weil er deutlich zu verstehen gibt: Ich bin nicht der Große, ich bin nicht der Held! Ich bin nur ein Fingerzeig auf einen Größeren.

Was hat Johannes ausmacht? Das bringt der Evangelist Johannes so auf den Punkt: „Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war, sein Name war Johannes. Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht, damit alle durch ihn zum Glauben kommen. Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht“ (Joh 1,6-8).

Liebe Schwestern und Brüder, wir sollten uns fragen: Ist das nicht das Lebensprogramm für jeden einzelnen Christen, für jeden von uns, für dich und für mich?

Machen wir die Probe aufs Exempel. Schreiben wir den Satz aus dem Evangelium einfach um und setzen unseren eigenen Namen ein. Das klingt dann so: „Ich bin ein Mensch, der von Gott gewollt und gesandt ist. Mein Name ist Christoph, Monika, Angelika, Anja, Stefan etc. Ich komme als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für dieses besondere Licht, damit manche durch mich zum Glauben finden. Ich bin nicht selbst das Licht, ich soll nur Zeugnis ablegen für das Licht.“

Mit anderen Worten: Ich bin ein Werbeträger für Jesus. Meine Aufgabe ist es, hinzuweisen auf sein ermutigendes Wort, hinzuweisen auf die Art, wie er gelebt und geliebt hat und mit Menschen umgegangen ist. Dann können die Menschen spüren: Wenn wir uns auf Jesus ausrichten, wird unsere Welt menschlicher.

Wer bist du? Das wollen die Leute von Johannes erfahren. Wer bist du? Wenn ich selbst nach meinem christlichen Selbstverständnis gefragt werde, hoffe ich, dass es auch von mir heißen kann: Zeuge des Lichts, ein Werbeträger für Jesus und seine Botschaft!

Amen.

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