Predigt zum 6. Sonntag der Osterzeit

von Pastor Stefan Krinke

Foto: Stefan Krinke

Erste Lesung   Apg 8, 5–8.14–17

In jenen Tagen 5 kam Philíppus in die Hauptstadt Samáriens hinab und verkündete dort Christus. 6Und die Menge achtete einmütig auf die Worte des Philíppus; sie hörten zu und sahen die Zeichen, die er tat. 7Denn aus vielen Besessenen fuhren unter lautem Geschrei die unreinen Geister aus; auch viele Lahme und Verkrüppelte wurden geheilt. 8So herrschte große Freude in jener Stadt. 14Als die Apostel in Jerusalem hörten, dass Samárien das Wort Gottes angenommen hatte, schickten sie Petrus und Johannes dorthin. 15Diese zogen hinab und beteten für sie, dass sie den Heiligen Geist empfingen. 16Denn er war noch auf keinen von ihnen herabgekommen; sie waren nur getauft auf den Namen Jesu, des Herrn. 17Dann legten sie ihnen die Hände auf und sie empfingen den Heiligen Geist.

Zweite Lesung1 Petr 3, 15–18

15Heiligt in eurem Herzen Christus, den Herrn! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; 16antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, damit jene, die euren rechtschaffenen Lebenswandel in Christus in schlechten Ruf bringen, wegen ihrer Verleumdungen beschämt werden. 17Denn es ist besser, für gute Taten zu leiden, wenn es Gottes Wille ist,
als für böse. 18Denn auch Christus ist der Sünden wegen
ein einziges Mal gestorben, ein Gerechter für Ungerechte,
damit er euch zu Gott hinführe, nachdem er dem Fleisch nach zwar getötet, aber dem Geist nach lebendig gemacht wurde.

Evangelium   Joh 14, 15–21

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: 15Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten. 16Und ich werde den Vater bitten und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll, 17den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird. 18Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. 19Nur noch kurze Zeit und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber seht mich, weil ich lebe und auch ihr leben werdet. 20An jenem Tag werdet ihr erkennen: Ich bin in meinem Vater, ihr seid in mir und ich bin in euch. 21Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer mich aber liebt, wird von meinem Vater geliebt werden und auch ich werde ihn lieben
und mich ihm offenbaren.

Predigt
Von der Hoffnung, die mich erfüllt.

Sowohl am vergangenen wie auch an diesem Wochenende ist unser Erzbischof Stefan Heße in unserer Pfarrei unterwegs. Feierte er mit uns die Firmungen in Ahrensburg, Ratzeburg und Bad Oldesloe am 2. /3. Mai, so wird er an diesem Samstag das Jubiläum zum 75. Jahrestag der Gründung des Klosters Nütschau mitfeiern.

Bei den Firmungen hat der Erzbischof vielen Jugendlichen die Hand aufgelegt und ihnen mit diesem Zeichen den Empfang des Heiligen Geistes zugesprochen – so wie es in der Lesung aus der Apostelgeschichte zum heutigen Sonntag von der Gemeinde Samariens durch Petrus und Johannes berichtet wird. (Apg 8,17) Ein, wie ich finde, schönes Zeichen. Es „berührt“ im wahrsten Sinne des Wortes.

Für das Kloster-Jubiläum passt gut jener Satz, der uns heute im ersten Petrusbrief zugesprochen wird: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt; antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig, denn ihr habt ein reines Gewissen, …“ (1 Petr 3,15f)

Gewiss, bei einem Klosterjubiläum wird es vermutlich weniger um einen „Rechenschaftsbericht“ gehen, im Sinne von: Wie viele geistliche Berufungen sind durch das Wirken der Mönche entstanden?  Oder wie war die „Auslastung“ des Gästehauses in den Jahren seines Bestehens? Bei Rechenschaftsberichten sind wir das „Auf- und Abrechnen“ mit Zahlen, Fakten, Analysen gewohnt. Doch im ersten Petrusbrief wird leicht überhört, worüber genau Rede und Antwort eingefordert wird: er fragt nach der Hoffnung, die einen Christen erfüllt.

Wird mir das bewusst, dann hätte ich plötzlich viel lieber klare Zahlen zu präsentieren. Denn um aufzuzählen, was die Hoffnung ausmacht, die mich erfüllt, muss ich nachdenken, in mich gehen und oftmals finde ich auch nur schwer die richtigen Worte.

Einen möglichen Hinweis entdecke ich im Evangelium des heutigen Sonntags, das den Abschiedsreden Jesu entnommen ist. (Joh 14,15-21) Jesus spricht den Jüngern zu, dass er nach seinem Weggang ihnen und damit auch uns einen anderen Beistand geben will, den Geist der Wahrheit. Er will uns alle nicht als Waisen zurücklassen. Ist das nicht ein Hoffnungswort, was mich in meinem Christsein bestärkt, bis heute?

Papst Benedikt XVI. hat in seiner Predigt zur Amtsübernahme im Jahr 2005 den Satz geprägt: „Wer glaubt, ist nie allein.“ Darin kann ich Jesu Botschaft an die Jünger wiederentdecken und zugleich könnte es ein Hoffnungswort sein, dass mich selbst erfüllt.

Der Besuch des Erzbischofs, die Feier der Firmungen, eine Gruppenfahrt nach Taizé, das Klosterjubiläum in Nütschau sind Anlässe, die dieses Wort mit lebendigen Erfahrungen füllen kann. Welche Hoffnung erfüllt Sie?

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