Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis

von Gemeindereferentin Judith Zehrer

Foto: pixelio.de

Evangelium: Matthäus 13, 24-43

In jener Zeit 24 erzählte Jesus der Menge folgendes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte. 25 Während nun die Menschen schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging weg. 26 Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein. 27 Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? 28 Er antwortete: Das hat ein Feind getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen? 29 Er entgegnete: Nein, damit ihr nicht zusammen mit dem Unkraut den Weizen ausreißt. 30 Lasst beides wachsen bis zur Ernte und zur Zeit der Ernte werde ich den Schnittern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune!

31Er legte ihnen ein weiteres Gleichnis vor und sagte: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte. 32 Es ist das kleinste von allen Samenkörnern; sobald es aber hochgewachsen ist, ist es größer als die anderen Gewächse und wird zu einem Baum, sodass die Vögel des Himmels kommen und in seinen Zweigen nisten.

33 Er sagte ihnen ein weiteres Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.

34 Dies alles sagte Jesus der Menschenmenge in Gleichnissen und ohne Gleichnisse redete er nicht zu ihnen, 35 damit sich erfülle, was durch den Propheten gesagt worden ist: Ich öffne meinen Mund in Gleichnissen, ich spreche aus, was seit der Schöpfung der Welt verborgen war.

36 Dann verließ er die Menge und ging in das Haus. Und seine Jünger kamen zu ihm und sagten: Erkläre uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker! 37 Er antwortete: Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn; 38 der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Kinder des Reiches; das Unkraut sind die Kinder des Bösen; 39 der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Ernte ist das Ende der Welt; die Schnitter sind die Engel. 40 Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch bei dem Ende der Welt sein: 41 Der Menschensohn wird seine Engel aussenden und sie werden aus seinem Reich alle zusammenholen, die andere verführt und Gesetzloses getan haben, 42 und werden sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 43 Dann werden die Gerechten im Reich ihres Vaters wie die Sonne leuchten. Wer Ohren hat, der höre!

 

Impuls

Im Evangelium hören wir heute mehrere Gleichnisse, in denen Jesus das Himmelreich beschreibt. Es ist „wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.“ Es ist „wie mit einem Senfkorn, das ein Mann auf seinen Acker säte.“ Mit dem Himmelreich ist es „wie mit dem Sauerteig, den eine Frau nahm und unter drei Sea Mehl verbarg, bis das Ganze durchsäuert war.“

Wenn man im griechischen Text einmal nachliest, dann ist dort immer die Rede vom „Königreich des Himmels“. Dieses wird direkt verglichen mit dem Bild, das Jesus verwendet. Es müsste also heißen: „Gleich ist das Königreich des Himmels einem Mann…, einem Senfkorn …, einem Sauerteig …“.

Wir wissen, dass Jesus in Gleichnissen sprach, um uns Menschen mitzunehmen und uns in unserer Sprache deutlich zu machen, wie Gottes Botschaft in unserer Welt anbrechen kann. Das Bild des Samenkorns und des Sauerteiges kann ich noch verstehen. Aus etwas winzig Kleinem wird etwas Großes, das unaufhaltsam weiterwächst und sich verschenkt. Bei einem Mann, der das Himmelreich sein soll, komme ich ins Nachdenken. Aber vielleicht müssen wir die Frage auch umdrehen und uns fragen, was denn eigentlich das Himmelreich ist. Vielleicht haben wir auch ein vorgefertigtes Bild davon im Kopf, das sich wandeln darf.

Diese Frage habe ich am letzten Wochenende mit ins Zeltlager der Gemeinde St. Vicelin genommen. Mit fast 100 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen haben wir dort überlegt, wo wir denn das Himmelreich finden können. Schnell war klar, dass es kein Land ist, das von Grenzen umschlossen ist. Es ist nicht mit Fahrzeugen erreichbar und birgt keine materiellen Schätze. Es ist auch nicht nur im Himmel, weit entfernt von uns, sondern irgendwie spürbar. In unseren Herzen.

Wir fanden dann das Zitat von Jesus: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (Mt 22,39). Wenn wir füreinander da sind, wenn wir uns so nehmen, wie wir sind, und wenn wir die andere achten und so behandeln, als wären wir es selbst, dann kann in dieser Beziehung, in diesem Miteinander das Himmelreich anbrechen. Es ist also etwas, das passiert, im Miteinander.

Vielleicht finden wir da auch eine Lösung für den Vergleich mit dem Mann, der das Himmelreich verkörpert. Ein paar Verse nach diesem Gleichnis wird Jesus von seinen Jüngern gefragt, ob er erklären kann, was damit gemeint ist. Er sagt: „Der den guten Samen sät, ist der Menschensohn“. Ist Jesus das Himmelreich?

Es ist tatsächlich schwer in Worte zu fassen. Aber ein Versuch ist es wert: Jesus ist genauso unverfügbar, wie das Wachsen des Samenkorns oder des Sauerteiges. Wir können es nicht machen. Und ihn schon gar nicht. Er verschenkt sich an uns, möchte in uns leben, ist aber nicht machbar oder kontrollierbar. Er ist da und lässt in uns sein Königreich anbrechen. Er verstreut die Samen, nicht wir. Er lässt das Gute wachsen, nicht wir. Das Himmelreich ist also nichts, was wir machen oder über das wir verfügen können. Es ist etwas, das in uns keimt und wächst, das kostbarer und größer ist, als alles, was es je geben wird. Wir können das Himmelreich nicht selbst regieren, wir können es nur mit und in Jesus sein.

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