von Pfarrer Christoph Scieszka

Evangelium: Mt 14,13–21
In jener Zeit, 13 als Jesus hörte, dass Johannes enthauptet worden war, zog er sich allein von dort mit dem Boot in eine einsame Gegend zurück. Aber die Volksscharen hörten davon und folgten ihm zu Fuß aus den Städten nach. 14 Als er ausstieg, sah er die vielen Menschen und hatte Mitleid mit ihnen und heilte ihre Kranken. 15 Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick die Leute weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen! 16 Jesus aber antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen! 17 Sie sagten zu ihm: Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier. 18 Er antwortete: Bringt sie mir her! 19 Dann ordnete er an, die Leute sollten sich ins Gras setzen. Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern; die Jünger aber gaben sie den Leuten 20 und alle aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein, zwölf Körbe voll. 21 Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten, dazu noch Frauen und Kinder.
Predigt
Liebe Schwestern und Brüder,
überall hören wir von Knappheit: weniger Ressourcen, Personalmangel, weniger Geld, sinkende Einnahmen. Es scheint, als würde es überall an etwas fehlen.
Genau von einer solchen Situation hören wir heute im Evangelium. Auch dort wurde es knapp – sogar sehr knapp. Und es ging nicht um eine Kleinigkeit, sondern um Menschen, die Hunger hatten und den Heimweg vermutlich nicht mehr geschafft hätten.
Kommt uns das nicht bekannt vor?
Wir alle könnten viele Geschichten erzählen – aus unserer Gesellschaft, aber auch aus unserer Kirche –, in denen Menschen an Grenzen stoßen und das Gefühl haben, dass das, was da ist, einfach nicht ausreicht.
Gerade darin liegt für mich die geistliche Botschaft des heutigen Evangeliums.
Jesus sagt zu uns:
Gebt mir eure knappe Zeit – die fünf Minuten für einen Menschen, der euch braucht.
Gebt mir die zwei Telefonate, mit denen ihr einem Menschen ein gutes Wort sagt.
Gebt mir euer kleines Fünkchen Hoffnung für diese Welt.
Gebt mir die kleine Portion Glauben, von der ihr immer meint, sie reiche nicht aus.
Gott erwartet von uns nicht, dass wir aus vollen Körben austeilen. Ihm reicht das wenige, das wir haben.
Es ist bemerkenswert: Nicht die reichen Kirchen wachsen weltweit, sondern die armen. Dort, wo Menschen ihre Bedürftigkeit kennen, erfahren sie Gottes Kraft.
Darum: Bringen wir Jesus nicht nur unsere Fähigkeiten, sondern auch unsere Armut! Denn er fragt gerade nach unseren engen Grenzen, nach unserer kurzen Sicht, nach unserer Hilflosigkeit und Ratlosigkeit.
Wenn wir ihm all das anvertrauen, wird es reichen – weil er es in seine Hände nimmt.
Wir denken oft, unsere Stärken seien Gottes Möglichkeiten und unsere Grenzen seien sein Problem.
Vielleicht ist es genau umgekehrt.
Wo wir uns stark fühlen, meinen wir oft, Gott nicht zu brauchen.
Wo uns aber die Kraft fehlt, wo wir an unsere Grenzen kommen, dort sind wir auf ihn angewiesen. Und gerade dort kann sein Segen wirksam werden.
Denn Gottes Wunder beginnen nicht mit dem Überfluss, sondern mit dem wenigen, das Menschen bereit sind, ihm anzuvertrauen.
Amen.