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Predigt zum 28. Sonntag im Jahreskreis

von Gemeindereferentin Monika Tenambergen und Diakon Tobias Riedel

Foto: Unsplash

Evangelium: Matthäus 22, 1–14

In jener Zeit 1 erzählte Jesus den Hohepriestern und den Ältesten des Volkes das folgende Gleichnis:
2Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.

3Er schickte seine Diener, um die eingeladenen Gäste zur Hochzeit rufen zu lassen. Sie aber wollten nicht kommen. 4Da schickte er noch einmal Diener und trug ihnen auf: Sagt den Eingeladenen:  Siehe, mein Mahl ist fertig, meine Ochsen und das Mastvieh sind geschlachtet, alles ist bereit. Kommt zur Hochzeit! 5Sie aber kümmerten sich nicht darum, sondern der eine ging auf seinen Acker, der andere in seinen Laden, 6wieder andere fielen über seine Diener her, misshandelten sie und brachten sie um. 7Da wurde der König zornig; er schickte sein Heer, ließ die Mörder töten und ihre Stadt in Schutt und Asche legen.

8Dann sagte er zu seinen Dienern:
Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet, aber die Gäste waren nicht würdig. 9Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!10Die Diener gingen auf die Straßen hinaus und holten alle zusammen, die sie trafen, Böse und Gute, und der Festsaal füllte sich mit Gästen.

11Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. 12Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. 13Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 14Denn viele sind gerufen,
wenige aber auserwählt.

 

Predigt

Was ist das für ein Gleichnis, das uns da an diesem Sonntag erzählt wird? Und was für ein Gottesbild wird uns durch diesen König vermittelt? Es fällt mir schwer, darin das Εὐαγγέλιον, die Frohe Botschaft, zu entdecken. Aber ich will es versuchen – und schaue mir deshalb den Kontext an, in den Matthäus dieses Gleichnis stellt.

Dem Gleichnis geht die Tempelreinigung[1] voraus: Jesus treibt alle Händler von Opfertieren und deren Kunden aus dem Tempel hinaus, die Tische der Geldwechsler stößt er um. Er begründet sein Handeln mit einem Zitat aus der Schrift: „Mein Haus soll ein Haus des Gebetes genannt werden – ihr aber macht daraus eine Räuberhöhle.“

Die Hohepriester und Ältesten des Volkes sind empört und stellen ihn zur Rede: „In welcher Vollmacht tust du das und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?“[2] Auf diese Frage antwortet Jesus mit drei Gleichnissen: dem Gleichnis vom willigen und vom unwilligen Sohn,[3] dem Gleichnis von den Winzern[4] und dem Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl,[5] das wir gerade gehört haben.

Man merkt den Texten an: Der Konflikt mit den religiösen Führern des Volkes spitzt sich zu. Sie sind nicht bereit, sich auf das Gottesbild Jesu einzulassen. Jesus wiederum spürt, dass ihm nur noch wenige Tage zur Vollendung seiner Mission bleiben. Da alle bisherigen Diskussionen mit den religiösen Führern nicht gefruchtet haben, spricht er nun Klartext – in der Hoffnung, sie doch noch mit seiner Botschaft zu erreichen

In den drei Gleichnissen geht es um das Reich Gottes. Und dieses Reich ist nicht nur eine Zukunftsvision – es ist in der Person Jesu schon heute gegenwärtig.

Im Gleichnis von den beiden Söhnen, dem Ja- und dem Nein-Sager, konfrontiert Jesus die Hohepriester und Ältesten damit, dass sogar Zöllner und Dirnen auf die Botschaft von Johannes dem Täufer gehört haben, sie hingegen waren zur Umkehr nicht bereit.

Im Gleichnis von den Winzern, die zuerst die Knechte[6] und dann sogar den Sohn des Gutsherrn umbringen, als diese den Pachtzins einholen wollen, spricht Jesus von seinem eigenen gewaltsamen Tod und von den Konsequenzen daraus. Er prophezeit die Entstehung eines neuen Volkes, zu dem alle gehören werden, die die Botschaft Jesu annehmen und die Früchte des Reiches Gottes bringen. Die Hohepriester und Pharisäer merken, dass mit den Winzern sie gemeint sind.[7] Doch sie bleiben stur – am liebsten wollen sie Jesus aus dem Weg schaffen.

Dann schließlich erzählt Jesus das dritte Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl. Darin ist von mehreren Personengruppen die Rede:

Da sind zunächst die Eingeladenen. Schon seit langer Zeit waren die Einladungskarten verschickt. Nun ist das Fest vorbereitet – doch die Eingeladenen kommen nicht. Sie haben anderes zu tun: Der eine geht auf seinen Acker, der andere in seinen Laden … Was ist los? Sind sie zu beschäftigt? Warum haben sie den Festtermin nicht eingeplant? Haben Sie kein Interesse?

Dann sind da die Menschen auf den Straßen. Die, die nicht auf der ursprünglichen Gästeliste standen. Die, die vielleicht gar nicht wissen, warum ausgerechnet sie eingeladen werden. Die Diener holen alle, die sie finden können in den Hochzeitssaal, ohne Ansehen der Person, einfach jeden, nicht nur die Guten, auch die Bösen! Und das Haus wird voll. Es kann gefeiert werden. Das Fest findet statt.

Eigentlich könnte die Geschichte hier enden. Doch dann kommt der merkwürdige zweite Teil: Der König findet unter den Gästen einen ohne Hochzeitsgewand. Ich frage mich, ob die anderen von der Straße sich schnell noch schick gemacht haben. Der Text lässt nicht darauf schließen … Warum pickt der König einen aus der Menge heraus? Stimmt es also doch nicht, dass jeder kommen darf?

Einige Exegeten sagen, dass dieser Teil ein eigenständiges Gleichnis ist, das vom Evangelisten hier eingefügt wurde – und zwar in einer Zeit, als in den ersten jüdisch-christlichen Gemeinden die anfängliche Euphorie schon verflogen war und sich so etwas wie ein Gemeinde-Alltagstrott eingestellt hatte. Für die Menschen damals soll dieser zweite Teil eine Warnung sein, sich nicht in falscher Sicherheit zu wiegen: Dass man zur zweiten Gruppe der Eingeladenen gehört und der Einladung auch Folge leistet, bedeutet noch nicht, dass man die Früchte des Reiches Gottes bringt. Es gehört eine innere Wandlung dazu.[8] Denn Gottes Einladung gilt zwar jedem Menschen bedingungslos, doch sie ist nicht folgenlos: „Komm, wie du bist, aber bleib nicht wie du bist – nicht um meinetwillen, sondern um deinetwillen.“ Für diese Botschaft steht das Hochzeitsgewand als Metapher. Paulus formuliert es so: „Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“.[9]

Wir kommen zu meiner ursprünglichen Frage zurück: Inwiefern ist dieses Gleichnis Εὐαγγέλιον?

Für mich liegt die frohe Botschaft des Gleichnisses vor allem darin, dass Gott nicht lockerlässt. Er lädt alle ein, immer wieder, aber er zwingt niemanden zu kommen.

Wenn ich auf Jesu Umgang mit den Hohenpriestern und Ältesten blicke, kommt ein zweiter Aspekt hinzu: Auch ich darf darauf hoffen, dass Gott mir immer wieder eine Chance gibt, meinen Kurs zu korrigieren. Dass er mich nicht auf meine Vergangenheit festlegt. Dass er den richtigen Ton findet, um mich zu erreichen. Dass er mein Herz berührt, damit es sich wandelt. Dass es ihm unendlich viel bedeutet, dass ich beim Fest dabei bin. Und dass ich kommen darf, wie ich bin.

Das Einzige, was er von mir verlangt, ist, dass ich es ernst meine mit ihm.

[1] Mt 21,12-17

[2] Mt 21,23

[3] Mt 21,28-32

[4] Mt 21,33-46

[5] Mt 22,1-14

[6] gemeint sind die Propheten

[7] Mt 21,45

[8] Willibald Sandler, „In den Himmel ohne Vorbedingungen? Zur Dramatik von Gnade und Gericht im Gleichnis vom königlichen Hochzeitsmahl“,

[9] Eph 4,24

 

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