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Predigt zum 20. Sonntag im Jahreskreis

von Pastor Stefan Krinke

Foto: Pixabay

Evangelium   Mt 15, 21–28

In jener Zeit 21 zog sich Jesus in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück. 22 Und siehe, eine kanaanäische Frau aus jener Gegend kam zu ihm und rief: Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids! Meine Tochter wird von einem Dämon gequält. 23 Jesus aber gab ihr keine Antwort. Da traten seine Jünger zu ihm und baten: Schick sie fort, denn sie schreit hinter uns her! 24 Er antwortete: Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
25 Doch sie kam, fiel vor ihm nieder und sagte: Herr, hilf mir!
26 Er erwiderte: Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
27 Da entgegnete sie: Ja, Herr! Aber selbst die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen, die vom Tisch ihrer Herren fallen.
28 Darauf antwortete ihr Jesus: Frau, dein Glaube ist groß.
Es soll dir geschehen, wie du willst. Und von dieser Stunde an
war ihre Tochter geheilt.

Predigt

Mit diesem Sonntag enden die Schulferien in Schleswig-Holstein – für manche ein Grund, traurig zu sein, andere freuen sich. Es geht wieder los mit der Schule, dem Entdecken von Neuem, dem Lernen. Aber vielleicht haben ja auch einige in den Ferien, im Urlaub Neues entdeckt, dazugelernt. Denn das Lernen macht ja nie Ferien…
Dem chinesischen Philosophen Laozi wird folgendes Zitat zugeschrieben: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man damit auf, treibt man zurück.“

Und es gibt auch Erkenntnisse im Glauben, die man dazulernen kann. Mir scheint, dass es Jesus nicht anders erging. Wie sonst kommt es bei ihm zum Umdenken, was seinen Auftrag betrifft? Der Evangelist Matthäus berichtet davon in der Geschichte der Begegnung Jesu mit der Ausländerin und Heidin, die ihn um die Heilung ihrer Tochter bittet. (Mt 15,21-28) Jesus erkennt den großen Glauben der Frau an und heilt, obwohl er ihr Anliegen zuvor abgelehnt hat. Ein lernender Jesus also.

Später machen auch Petrus und Paulus ähnliche Erfahrungen und sie beginnen mit der Verkündigung der Frohen Botschaft bei allen Menschen.

Matthäus stellt in seinem Evangelium klar: Die Verbundenheit mit Jesus Christus schafft eine neue weltweite Menschengemeinschaft, die das Heil aller Menschen zur Grundlage hat! Sowohl der Anfang, als auch das Ende seines Evangeliums sind davon gekennzeichnet: am Beginn sind es die Sterndeuter aus dem Osten (Mt 2,1), die sich auf den Weg zum neugeborenen König der Juden machen, ihn finden, um ihn anzubeten. Und am Ende des Evangeliums finden wir den Sendungsauftrag an die elf Jünger: „Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern;“ (Mt 28,19)

In dieser Konzeption des Evangeliums hören wir von der Lernerfahrung Jesu. Sein Selbstverständnis ändert sich. Das Gesandt-Sein zum Haus Israel wandelt sich in einen Sendungsauftrag an alle Menschen, die aus der Sehnsucht nach Heil und Erlösung leben.

Kirchliche Glaubens- und Lernerfahrungen drücken sich bisweilen in Festen aus, die im liturgischen Kalender ihren Platz haben oder auch in Namen, die Kirchen oder Klöster bekommen. So ist es auch mit dem „Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel“, das wir ebenfalls an diesem Wochenende feiern.

Ich habe in diesem Sommer bei meiner Reise durch Griechenland dazugelernt: Die Orthodoxe Kirche kennt für dieses Fest kein Dogma, welches 1950 von Pius XII. für die katholische Kirche proklamiert wurde. Doch den „Übergang Mariens“, die „Entschlafung Mariens“, wie es in der Ostkirche heißt, feiern sie genauso – und vielleicht sogar intensiver als wir. Kirchen und Klöster, die diesen Namen tragen, finden sich jedenfalls reichlich.

Rudern wir also weiter gegen den Strom, damit wir im Leben und im Glauben nicht zurücktreiben.

Allen Schulanfängerinnen und Schulanfängern wünsche ich einen guten Start und uns allen weiterhin schöne Sommertage. Bleiben Sie behütet durch den, der sich zu allen Menschen gesandt weiß.

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